Für jede Rolle eine Rolle

Ein Blogpost von Stefan Milius

Rollschuhe

Kinder bewegen sich gerne schnell. Sobald sie ein anderes Kind sehen, das auf Rollen unterwegs ist, fühlen sie sich selbst limitiert – und wollen auch. Die Wahl des richtigen «Rollzeugs» reflektiert auch immer Lebensstil und Einstellung. Welcher Roll-Typ ist ihr Kind – und was sagt Ihre Entscheidung über Sie als Eltern aus?

Für verklärte Nostalgiker: Rollschuhe

Erstmals soll ein Schauspieler bei einer Theateraufführung in London im Jahr 1743 auf Schuhen mit Rollen herumgesaust sein – aber eher improvisiert. Als offizieller Erfinder gilt ein französischer Musikinstrumentenbauer um 1760. Dass er bei einem Selbstversuch in eine Wand fuhr und sich schwer verletzte, sei nur am Rande erwähnt. Jedenfalls: Rollschuhe sind die Urväter des Rollsports. Sie wurden um 1970 herum zum verbreiteten Hit. Eltern, die auf Rollschuhe setzen, gehören zu den Verklärern der guten alten Zeit. Sie gönnen ihren Kindern Spass, wollen dabei aber gleichzeitig an die eigene Kindheit erinnert werden.

Für elegante Sportler: Inlineskaten

Es gab Jahre, da fühlte man sich als Fussgänger an Seepromenaden wie ein Exot, weil man links und rechts von rollenden Horden überholt wurde. Und das mit hohem Tempo. Auf Rollen, die nicht nebeneinander, sondern in einer Linie angeordnet sind – eben «inline» – bewegt man sich beim Inlineskaten im Schlittschuhschritt. Das sieht eleganter aus als die oft breitbeinige Fahrt auf Rollschuhen. Und im Gegensatz zu diesen, die eher dem Spass dienen, gelten Inline als richtiges Fortbewegungsmittel und Sportgerät. Kurz: Eltern, die ihre Kids als Inlineskater positionieren, sind urban und ehrgeizig.

Für künstlerische Freigeister: Skateboard

Auf dem Skateboard oder Penny Board, einst profan Rollbrett genannt, kann man sich zwar auch von A nach B bewegen. Im Alltag dient es aber meist dem Vollführen kleiner Bewegungskunststücke, verbunden mit der passenden Bekleidung und einem coolen Slang. Im Unterschied zu Rollschuhen und Inlines muss man das Skateboard nicht zwingend beherrschen, um Eindruck zu schinden, man kann es auch einfach unterm Arm tragen und so tun als ob. Eltern, die ihren Kindern das Skateboard empfehlen, sind ziemlich dünn gesät. Wenn sie mit ihrer Wahl überhaupt eine Botschaft aussenden, dann vielleicht diese: «Es ist egal, auf was meine Kinder rollen, mit 18 machen sie ja ohnehin den Führerschein.»

Happy rolling!