Das eigene Brettspiel kreieren

Ein Blogpost von Stefan Millius

Spiele sind etwas Magisches. Auch in Zeiten von PC und Smartphone geht nichts über das Erlebnis, das entsteht, wenn sich die ganze Familie um ein Spielbrett auf dem Tisch schart. Entsprechend gross ist die Auswahl der Spiele im Laden. Etwas ganz Einmaliges ist aber ein Spiel, das man selbst für die eigene Familie kreiert. Mit unserer Kurzanleitung und ein bisschen Geduld klappt es sicher. Für den Anfang nimmt man sich am besten ein ganz einfaches Brettspiel vor. Und so funktioniert es Schritt für Schritt:

1 Für wie viele und für wen?

Definieren Sie die Altersgruppe, für die das Spiel bestimmt ist. Je nachdem muss die Spielidee einfacher beziehungsweise darf sie etwas komplizierter sein. Legen Sie fest, wie viele Personen gleichzeitig spielen können und wie lange eine Runde dauern soll. Das können Sie dann bei Punkt 7 überprüfen.

2 Thema bestimmen

Zuhause grassiert das Prinzessinnen-, Auto- oder Fussballfieber? Dann ist der Fall klar: Siedeln Sie Ihr Spiel in der «Welt» an, die Ihre Kinder gerade fasziniert, und es wird auf Anklang stossen. Das Medium (Spielbrett oder Karten) und die Spielfiguren müssen natürlich auch nach dieser Welt aussehen. Wieso nicht einfach Figuren (Playmobil, Lego, Matchbox-Autos usw.) nehmen, die es bereits gibt?

3 Mechanismus festlegen

Soll das Spiel mit Würfeln funktionieren? Oder werden Karten gezogen? Oder eine Kombination? Tipp: Für die erste Kreation sollte es möglichst einfach bleiben. Ein klassisches «Leiterlispiel» macht gerade kleineren Kindern stundenlang Spass, obwohl der Würfel das einzige «Werkzeug» ist.

4 Ziel definieren

Das «Genre», das bei Punkt 2 bestimmt wurde, gibt dann auch ein mögliches Ziel vor: Schneller sein als die andern (Auto), mehr Punkte machen (Fussball), jemanden befreien (Prinzessin). Geht es um Tempo, wird es wohl einen Start- und einen Zielpunkt auf dem Spielbrett geben. Sind Punkte das Ziel, muss man diese unterwegs sammeln (und vielleicht auch andern wieder wegnehmen!) können. Ganz wichtig: Ein Spiel muss ein klares Ende haben, das alle Teilnehmer von Anfang an kennen.

5 Spielbrett kreieren

Diese Überlegungen reichen schon, ein Spielbrett zu kreieren. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtige Regel: Ganz einfach beginnen, danach allenfalls ausbauen. Die Spielfiguren müssen von A nach B. Die Felder können mit Aktionen verknüpft werden, auf denen etwas «passiert». Aber vielleicht kommen bei einer Überarbeitungsrunde auch noch Abzweigungen und Abkürzungen dazu? Wichtig ist nicht so sehr, was passiert (2 Felder vor, zurück an den Start usw.), sondern vor allem, dass die Aktion in die «Story» passt. Zum Beispiel: Das Auto hat einen Blechschaden und muss wieder in die «Werkstatt» …

6 Aufpimpen

Eine einfache Spielidee, die funktioniert, ist die Grundlage. Das Spiel lässt sich später auch noch «aufpimpen». Als Ergänzung zum Würfeln kann man beispielsweise Aktionskarten einführen, die gezogen werden, wenn man auf bestimmte Felder kommt. So wächst das Spiel mit den Kindern mit.

7 Testen!

Ein Spiel, das nicht richtig funktioniert, ist ein Frust. Spielen Sie Ihre Kreation mit Testpersonen mehrere Male durch, bevor sie das Spiel mit viel Trara der Familie präsentieren. Funktioniert der Mechanismus? Kommt das Spiel in vernünftiger Zeit zu Ende, und gibt es einen guten Mix aus Glück und Können?

Und nun viel Spass mit Ihrem eigenen Spiel! Vielleicht erobern Sie eines Tages den Weltmarkt damit?