Der Playmobil-Polizist vor dem Knete-Stall

Ein Blogpost von Stefan Milius

Playmobil Knete

Spielzeughersteller sind daran interessiert, eine in sich geschlossene Welt herzustellen. Bei Lego, Playmobil und Co. passen alle Bausätze und Figuren innerhalb der Reihe jeweils perfekt zueinander und benötigen keine fremden Einflüsse. Wer diesen Mikrokosmos ausbauen will, kauft zwingend immer weitere Produkte derselben Spielzeugreihe. Das ist ökonomisch gesehen sehr geschickt.

Kinder lassen sich da allerdings weniger einschränken. Warum soll ein Playmobil-Ritter nicht in einer Lego-Burg wohnen? Was spricht gegen einen Duplo-Tunnel über dem Gleis bei der Märklin-Eisenbahn? Und wer sagt, dass der hochmoderne Kran von Fisher-Price keinen Einsatz leisten darf im Sandkasten?

Während Erwachsene dauernd nach «Kompatibilität» suchen, handeln Kinder instinktiv disziplinenübergreifend. Ganz nach dem Motto: Was nicht passt, das wird passend gemacht. Da war zum Beispiel dieses Brettspiel zum Thema Bauernhof, empfohlen ab sechs Jahren, das ich mal in einem präventiven Akt gekauft und im Schrank verstaut hatte. Meine Mädchen, damals fünf und drei Jahre alt, verschafften sich Zugang zur Schachtel und entnahmen ihr die enthaltenen kleinen Bauernhoftiere. Pflichtbewusst kniete ich mich umgehend in die Spielanleitung und instruierte die beiden, dass es bei diesem Spiel darum geht, die entlaufenen Tiere einzufangen und einzuzäunen. Dafür muss man sich aber zuerst aufs richtige Feld vorwürfeln.

Solche Details interessierten die kleinen Damen allerdings nicht. Wenige Minuten später waren die Tierfiguren zwar hinter Schloss und Riegel, aber ganz ohne Würfel. Leicht frustriert blickten Kuh, Schwein, Pferd und Co. über die Abschrankung ihres neuen Stalls aus Knete und Lego. Der Würfel blieb unbenutzt. Kurz darauf wachte sogar ein Playmobil-Polizist am Knet-Eingangstor über die Nutztiere. Mit dem Brettspiel an sich hatte die ganze Szenerie nicht mehr viel zu tun. Vielleicht nicht im Sinn des Erfinders, aber offenbar perfekt für die Kinder.

Ein- und dasselbe Spielzeug, für das die kindliche Faszination bereits ein bisschen erlahmt ist, erblüht zu neuem Leben, wenn man es anders einsetzt. Grenzen setzen muss man eigentlich nur, wenn Materialkonflikte entstehen – zum Beispiel mit einem Metallbausatz in der Badewanne…