Warum der Zirkus Generationen verbindet

Ein Blogpost von Stefan Milius

Circus Knie Pferde
Circus Knie Artisten
Circus Knie Clown Larible
Knie

Ich war seit meiner Kindheit nicht mehr im Zirkus. Weshalb? Schwer zu sagen. Vielleicht war ich der Meinung, das sei nichts für Erwachsene. Oder ich fand: Wer es mal gesehen hat, hat es gesehen – Artisten, Tiere und Clowns unter einer Zeltkuppel eben. Zudem kann ich heute zuhause vor dem Fernseher artistische Kunststücke, Komiker und Einblicke in die Tierwelt unbeschränkt mit einem Tastendruck abrufen. Was soll ich da in den Zirkus?

2016 geht als das Jahr meiner Bekehrung in die Geschichte ein. Ich war mit meinen Mädchen, 7 und 5, im Circus Knie, weil das eben einfach zu einer Kindheit in der Schweiz gehört und sie in dem Alter ja schlecht allein gehen können. Ich war dort – und ich frage mich, wie ich jemals vergessen konnte, welch wundervolles Ereignis das ist. Zudem bin ich ein klein wenig sauer auf mich selbst, dass ich eine rund 30 Jahre dauernde Kunstpause eingelegt habe. Es tut mir leid um die verlorenen Jahre. Denn ich lag falsch. Komplett.

Ja, es hat immer noch Artisten im Zirkus. Ja, Tiere sind auch heute ein zentrales Element. Ja, in der Pause holt man sich und den Kindern ein Glacé. Und ja, ein Clown führt durch die Vorstellung. Aber der Vergleich mit irgendwelchen TV-Sendungen ist absurd und unhaltbar. Denn der Zirkus ist ein Gesamterlebnis. Da ist die mechanische Orgel, die einem mit Jahrmarktklängen begrüsst. Der Duft von Popcorn und Zuckerwatte, die Zirkusmitarbeiter in den charakteristischen roten Anzügen mit den goldenen Knöpfen. Die Tiere, die draussen unter einem Pavillon auf ihren Einsatz warten.

Aber vor allem: Da ist die Vorstellung selbst. Sie ist eine unvergleichliche Mischung zwischen höchster Perfektion und liebevoller Leidenschaft. Dass die Nummern der Akrobaten Weltklasse sind, ist meinen Kindern kaum bewusst, dazu fehlt ihnen die Möglichkeit des Vergleichs – staunen tun sie dennoch. Wie viel Arbeit in den Tiernummern steckt, wissen sie auch nicht, aber was sie sehen, zieht sie in den Bann. Dass sie zwei Stunden lang mit offenen Mündern und glänzenden Augen und vor allem schweigend dasitzen: Das hat bisher nur der Zirkus geschafft.

Ich wiederum habe offen gesagt fast nur Augen für einen: David Larible. Der Italiener gilt als weltbester Clown. Ich weiss nicht, wie sich die Leistung eines Clowns messen lässt, aber eines ist sicher: Ich könnte dem Mann stundenlang zuschauen. Ob alleine in der Manege oder mit Zuschauern, die er von den Plätzen holt und spielerisch in seine Einlagen einbaut: Sein Humor ist umwerfend und herzlich. Kein Wunder, dass das diesjährige Knie-Programm «Smile» heisst. Ich gebe zu: Als David Larible sich im Schlussbild der Vorstellung vor dem Schminkspiegel wieder in einen «Zivilisten» verwandelt, muss ich schwer schlucken. Das ist keine reine Clownerie mehr, das ist Poesie.

Als wir den Zirkus verlassen, fragen meine Töchter, ob wir wieder einmal dorthin gehen. Natürlich, sage ich, aber erst nächstes Jahr, wenn das neue Programm gespielt wird. «Sonst sehen wir ja wieder dasselbe», erkläre ich. Und die Antwort der Mädchen wie aus einem Mund: «Na und?»

Genau. Na und?


Auch dieses Jahr gastiert der Circus Knie in 41 Orten in der ganzen Schweiz. Die diesjährige Tournee sthet ganz im Zeichen des Mottos «SMILE». Neben der Familie Knie zeigen 45 Künstler aus sieben Nationen ihr fulminantes Programm. Akrobatik, Clownereien und Tiernummern werden mit Livemusik untermalt. www.knie.ch