So steigt auch IHR Drache!

Ein Blogpost von Stefan Milius

Drachen steigen lassen: Bei kaum einem anderen Hobby ist der Grat zwischen Vergnügen und Frust so schmal. An einem schönen Herbsttag auf einer freien Wiese zu erleben, wie der Drache in die Lüfte steigt: Ein sensationelles Erlebnis. Aber wie sieht es aus, wenn wir 20 Mal Anlauf nehmen und die Stoffkonstruktion über das Gras schleift und gar nicht dran denkt, nach oben zu gehen?

Keine Sorge: Es klappt, wenn man es richtig macht. Das beginnt schon beim Kauf. Für die meisten übereifrigen Väter (ja, sie sind es in der Regel) muss es natürlich ein absolut cooler, grosser Lenkdrache sein, mit dem man Schrauben und Kurven und Loopings fliegt. Auf Youtube sieht das toll aus, nur: es braucht Übung. Einsteiger sollten sich deshalb eher für einen Einleinerdrachen entscheiden. Den kann jedes Kind ab etwa 5 Jahren selbständig halten, und wenn sie (die Drachen, nicht die Kinder) mal oben sind, geht der Rest wie von alleine. Zudem gibt es Einleiner in ganz tollen Designs. Natürlich kann man den Drachen auch selbst bauen, aber die Erfolgschancen sind zu Beginn mit einem gekauften Modell wohl grösser.

Stolperstein 2 ist die Platzwahl. «Komm, wir gehen einfach schnell hinters Haus»: Je nach Wohnlage ist das keine gute Idee. Wer entspannt Drachen steigen lassen will, braucht ein möglichst offenes Feld, wo weder Bäume noch Strommasten im Weg rumstehen. Wenn das gegeben ist, hat man übrigens auch schon 99 Prozent aller Sicherheitsauflagen erfüllt, die rund um dieses Hobby kursieren. Und dann der Wind: Natürlich braucht es den, aber auf einen Hurrikan warten muss man nicht. Einige Meter über unseren Köpfen weht meist sowieso ein Lüftchen. Achtung: Drachen lässt man GEGEN den Wind und nicht MIT ihm steigen. Aber das werden Sie sonst selbst ganz schnell merken…

Der jüngste Trend heisst übrigens «Indoor-Kiting». Das findet in Sporthallen oder ehemaligen Fabrikgebäuden statt. Allerdings stehen dafür leichtere Drachen mit kürzeren Schnüren im Einsatz, und man muss gewissermassen selbst für Wind sorgen, indem man langsam rückwärts läuft und dabei laufend an den Schnüren zieht. Den Leuten scheint es Spass zu machen, denn inzwischen gibt es sogar ganze Indoor-Kiting-Festivals, so beispielsweise in Leipzig. Aber keine Frage: Wenn man die Chance hat, rauszugehen, sollte man sie packen. Der Winter kommt früh genug.